Die Region ist Zukunftsfit durch gezielte Technologieförderung

Auf Antrag von uns Grünen wird ein neues Programm etabliert, das gezielt Zukunftstechnologien kofinanziert.

Regionalversammlung  25. März 2026

Rede Sabine Kober

Es gilt das gesprochene Wort!
Sehr geehrter Herr Vorsitzender Wieland,
werter Herr Regionaldirektor Dr. Lahl,
werte Kolleginnen und Kollegen,
sehr geehrte Damen und Herren,
Heute geht es darum, die gravierenden Probleme, die die Wirtschaft in der Region, aber auch im Land und im Bund vor sich hat, zu benennen und Lösungen zu suchen. Die Transformation unserer Schlüsselindustrien, der Automobilwirtschaft und des Maschinenbaus, ist in vollem Gange. Die Herausforderungen sind schon so oft benannt worden, dass sie vielleicht von dem einen oder der anderen gar nicht mehr ernst genommen werden. Fachkräftemangel auf der einen Seite, Arbeitslosigkeit auf der anderen, Abhängigkeit vom Automobil und deren Zulieferern, teure Energie und überbordende Bürokratie sind Hemmschuhe für eine resiliente Region.
Was also tun?
Einerseits sorgt das Land mit neuen Gesetzen zu Windkraft und PV für mehr Erneuerbare Energien, die uns und die Region unabhängiger vom Weltgeschehen machen sollen und werden. Denn die hohen Preise für Energie werden oft an erster Stelle der Herausforderungen genannt. Auf der ehemaligen Mülldeponie in Sindelfingen wurde zum Beispiel letzte Woche eine Methanisierungsanlage eingeweiht, die aus dem Biomüll der Landkreise Böblingen und Esslingen Biomethan für Fernwärme oder Mobilität und reines CO2 in Lebensmittelqualität herstellt. Eine große PV Anlage vor Ort sorgt für günstige Bedingungen. Mit fast einer Million Euro aus dem Umweltministerium wird so eine Kreislaufwirtschaft in Gang gesetzt. Innovation ist sozusagen Teil unserer DNA.
Andererseits kommt nun die Region ins Spiel. Mit vielen Bausteinen und mit Hilfe der WRS werden Projekte gefördert, die es ohne die Region gar nicht oder nur in geringerem Umfang geben würde. In meinem Landkreis sind das der AI Express, ein Leuchtturm der Start-up Szene und Frau Fleischmann bringt uns den Quantencomputer der IBM in Ehningen näher.
Es gibt Programme zu Wasserstoff, Brennstoffzelle, Lieferlogistik und künstlicher Intelligenz, alle nachzulesen auf der Seite der WRS. Unsere Partner sind dabei Universitäten und Forschungsinstitute, Wirtschaft und Kommunen.
Dazu kommt, in Baden-Württemberg werden 5,7% des BIP für Forschung ausgegeben, das ist die höchste Quote in ganz Deutschland, wobei 80% aus der Privatwirtschaft stammen.
Somit ist doch alles gut, oder?
Bei Umfragen unter IHK Mitgliedern ist trotz all der Maßnahmen die Stimmung schlecht, die Arbeitslosenzahlen steigen und so manches Unternehmen erwägt, die Region oder gar Deutschland zu verlassen.
Die Region hat es sich schon lange zur Aufgabe gemacht, alle relevanten Akteure zusammenzubringen, um dem Strukturwandel gemeinsam zu begegnen. Hier kommt nun der geplante Zukunftskonvent ins Spiel. Bei der Region läuft alles zusammen. Sie ist bestens vernetzt, kennt die Akteure aus Wirtschaft, Forschung, Politik, Kammern und Gewerkschaften. Die Probleme sind bekannt und mit dem Strukturbericht hat die Region bereits ein sehr gutes Analyseinstrument mit Handlungsempfehlungen zur Hand. Mit diesem Zukunfskonvent soll auch die Sichtbarkeit der Region gefördert werden, denn daran hapert es noch, wie wir alle wissen. Die Kommunikation wird eine wichtige Rolle spielen. Mit Hilfe von Filmen und Ausstellungen soll das Wissen rund um unsere Aktivitäten erhöht werden.
Denn nicht nur harte wirtschaftliche Kennzahlen lassen einen Wirtschaftsstandort wie den unseren glänzen, die Lebensqualität eines zukünftigen Arbeitsplatzes spielt eine ebenso große Rolle bei der Entscheidung von Fachkräften, wo und wem sie ihre Arbeitskraft zur Verfügung stellen. Hier bietet die Region viele Ansätze. Es wird mit dem Landschaftspark die Aufenthaltsqualität in der Natur gefördert. Kultur und Sport werden mit eigenen Gesellschaften abgedeckt und die Förderung der IBA kommt allen zugute, von spektakulären Bauvorhaben, dem Wohnungsbau, über innovative Ressourcenverwendung und sogar dem Tourismus. Diese Dinge sind elementar und kein nice-to-have für eine lebenswerte Region. Sie werden bei uns auf der politischen Ebene entschieden und bringen somit einen großen Konsens mit. Wir reden nicht nur über Transformation, wir gestalten sie.
Der Strukturwandel ist unser aller Aufgabe, eine große Aufgabe. Durch eine klare Handlungsempfehlung, ein bestimmtes Budget und einer Zeitschiene sind wir von der Schlagkraft dieses Konvents überzeugt.
Zusätzlich kommt nun ein weiterer Baustein dazu. Auf Antrag von uns Grünen wird ein neues Programm etabliert, das gezielt Zukunftstechnologien kofinanziert. Gemeinsam mit der WRS und der Bio-Regio Stern sollen Innovationszentren gefördert werden, die sich Gesundheitstechnologien und Medizintechnik verschrieben haben und allen Geschäftsfeldern rund um die Digitalisierung, Luft- und Raumfahrt, Defense und Green Tech . In diesen Gebieten sehen wir die Zukunft unserer Region. Ziel dieses Programms ist die Abhängigkeit von Automobilwirtschaft und Maschinenbau zu mindern und zukunftsfähige Arbeitsplätze zu schaffen, junge Unternehmen zu fördern und die Region Stuttgart im Wettbewerb zu stärken. Die Bedingungen des Programms sind klar benannt, es sollen Cluster gebildet und gefördert werden, denn nicht nur in diesem Gremium gilt, gemeinsam sind wir stark, auch in der Wirtschaft sollte dies oberste Prämisse sein.
Wir Regionalrät*innen sind auf viele Veranstaltungen eingeladen und uns eint die Erkenntnis, dass Vieles bei Vielen nicht bekannt ist. Kommunikation ist immer der erste Schritt, das berühmte Netzwerken der zweite. Das wurde mir persönlich wieder letzten Donnerstag klar, auf dem 4. Dialogforum Wasser. Was da an angeregten Gesprächen, an Austausch von Visitenkarten und an interessierten Fragen stattfand, war beeindruckend. Wenn nun also der Ball auf dem Feld der Region liegt, so ist er dort in besten Händen. Hier laufen alle Fäden zusammen, die Akteure sind bekannt, die Probleme benannt, die Kompetenzen vorhanden, wir alle, die hier sitzen, sind politisch legitimiert, es kann also zeitnah losgehen.
Ich persönlich bin eine Optimistin durch und durch, ich sehe immer zuerst die Chancen und dann die Probleme und so möchte ich sie alle mit meinem Optimismus anstecken und sie einladen, diesen Weg gemeinsam zu beschreiten.