Weichen stellen für die Zukunft der Panoramabahn!

Die Panoramabahn darf nicht in einer Nacht-und-Nebel-Aktion von der Bahn abgehängt werden.

Regionalversammlung  25. März 2026

Rede Philipp Buchholz

Es gilt das gesprochene Wort!

 

Sehr geehrter Herr Vorsitzender,
liebe Kolleginnen und Kollegen,
ich wohne in einem schönen Altbau. Und in einem solch alten Haus findet man zuweilen ungewöhnliche Dinge. Bei mir ist es zum Beispiel
ein Fenster in der Dusche. Und jetzt, wenn das Wetter wieder schön wird, mach ich beim Duschen das Fenster auf und was sehe ich? Die
Panoramabahn, wie sie sich den Hasenberg entlang schlängelt. Eine Bahn, die schon älter ist als das alte Haus, in dem ich wohne. Sie war
schon da, bevor der Talkessel sich mit Häusern füllte. Lange schien es so, als seien die Tage gezählt, an denen auf den engen Kurven die Bahnen quietschen. Lange schien es so, als wurde die Panoramabahn auf dem politischen Abstellgleis abgestellt. Die Grundstücke der Panoramabahn wurden 2001 verkauft und die Bahn ließ die Infrastruktur verkommen.
Heute blicken wir in die Zukunft und können stolz sein auf die gemeinsame Leistung, die uns zu diesem Beschluss geführt hat. Wir bekommen nicht nur eine neue S-Bahn-Linie durch das Zentrum unserer Region, sondern schaffen auch noch Resilienz für die überbeanspruchte Stammstrecke.
München wird uns noch beneiden, um unsere zweite Stammstrecke, die wir damit erhalten. Im Gegensatz zu den Münch’ner 10 Milliarden
sind die 300 Millionen für die Panoramabahn ein Schnäppchen. Und wer hätte gedacht, dass wir in Stuttgart auch mal Schnäppchen mit
Bahnprojekten machen können?!
Auch zeitlich können wir die Münch’ner überholen: Bis 2037 sollen dort die ersten Züge auf der zweiten Stammstrecke rollen. Bis dahin
haben wir die Panoramabahn saniert, der Pfaffensteigtunnel in Betrieb genommen und mit viel Glück ist dann schon der neue
Bahnhof in Stuttgart fertig.
Meine lieben Kolleginnen und Kollegen wir haben hier die Möglichkeit, Handlungsfähigkeit als politisches Gremium zu beweisen. In Zeiten, in der Schienenprojekte immer
länger dauern, können wir hier zeigen: Politik kann auch liefern. Und geliefert hat auch unsere Verwaltung: Mit dem Konzept der
neuen S-Bahn Linie S7 von Vaihingen nach Heimerdingen wurde nicht nur ein Konzept vorgelegt, das nach GVFG förderfähig ist – nein! Das
Land übernimmt auch noch 50% der nicht-förderfähigen Kosten. Ein Geschenk unseres scheidenden Landesverkehrsministers Winfried
Herrmann an unseren Verbandshaushalt. Acht Millionen Euro Zusatzförderung – das ist ein Applaus wert!
Und über die dauerhafte Förderung der Betriebskosten habe ich noch gar nicht gesprochen.
Einen Dank geht auch an die Stadt Stuttgart, die die Grundstücke an die SWEG Schienenwege GmbH überträgt. Einen Dank an die DB
InfraGO – möchte ich erst aussprechen, wenn die Panoramabahn nicht vorzeitig außer Betrieb genommen wurde. Im Kleingedruckten
der Rahmenvereinbarung findet sich eine Obergrenze von 16 Millionen Euro, die die Bahn maximal noch in die Instandhaltung der
Panoramabahn stecken muss. Ich frage mich: Was passiert, wenn die 16 Millionen ausgegeben sind? Stuttgart 21 macht ja nicht
übermorgen auf und wir brauchen die alte Panoramabahn vielleicht länger als gedacht. Für uns steht fest: Wir brauchen hier ein
Monitoring, lieber Herr Deubel. Die Panoramabahn darf nicht in einer Nacht-und-Nebel-Aktion von der Bahn abgehängt werden.
Heute aber wollen wir optimistisch auf die zukünftige S7 blicken: Mit dem vorgelegten Konzept kann die Panoramabahn schnell saniert und
die S-Bahn im Strohgäu aufs Gleis gesetzt werden. Aufhören wollen wir damit aber nicht. Für uns Bündnis90/Die Grünen endet die
Panoramabahn nicht im Norden. Wie das VWI in der Studie für das Nahverkehrsdreieck aufgezeigt hat, ist auf der Panoramabahn noch
Platz für eine S8 nach Waiblingen. Hier gilt es jetzt zeitnah anzusetzen und ein wirtschaftlich tragfähiges Konzept für den Lückenschluss zu
erarbeiten. Erst dann kann die Panoramabahn ihre volle Schönheit entfalten. Lassen Sie uns also die Synergien heben und das Zeitfenster
nutzen, das wir jetzt haben. Wenn vom Bund das Geld fließt und das Land weiterhin eine Zusatzförderung für das Projekt anbietet, dann
ist das eine historische Chance, die wir jetzt nutzen sollten. Ein entsprechender Satz in einem Koalitionsvertrag würde da sicherlich
auch nicht schaden.
Also, liebe Kolleginnen und Kollegen, lassen Sie uns die Weichen stellen für die Zukunft der Panoramabahn. Heute geht’s nach
Feuerbach und morgen dann nach Cannstatt!
Vielen Dank!